Die richtige Kameraposition

... und wie Du das vermeiden kannst, das erfährst Du in diesem Blogartikel. Jeder von uns will gut aussehen. Gerade vor der Kamera. Und jeder von uns hat eine Schokoladenseite, die er am liebsten zeigt. Aber Vorsicht: Die Eigenwahrnehmung kann uns ganz schön täuschen – und dazu führen, dass wir ziemlich unsympathisch rüberkommen. Ich erkläre Dir, wie Du Deine Wirkung beeinflussen kannst.

Der Grund für diesen Artikel ist, dass ich selber alles falsch gemacht habe. Ich habe vor der Kamera hin- und herprobiert, um den Winkel zu finden, der mich am besten aussehen lässt. Das Ergebnis meiner Selfie-Studien: Von leicht unten links gefilmt, finde ich mich persönlich am schicksten. Also habe mich auch konsequent so gefilmt.

 

Alles gut, dachte ich. Doch irgendwann sagt meine gute Freundin Heike Stiegler: “In echt wirkst Du viel sympathischer als auf Videos. Das liegt daran, dass Du Dich immer so von unten filmst.”

Ich hab Heike dann erklärt, dass ich das so machen muss, weil das eben MEIN Schoko-Winkel ist. Aber weil sich Heike als erfahrene Journalistin gut auskennt, war ich verunsichert. Und dann, haben noch zwei andere Bekannte genau das Gleiche gesagt.

 

AM BODEN ZERSTÖRT

Wisst ihr, dass ich fast am Boden zerstört war? Meine schönste Position funktioniert – offenbar nur bei mir. Bei den anderen, meinen Zuschauern, überhaupt nicht. So ein Mist. Warum ist das so?

 

Da half nur eine kleine Recherche: Kameraleute und Regisseure wissen genau, wie sie ihre Helden vor der Kamera positionieren, weil jede Position zu einem bestimmten Eindruck bei uns führt. Unsere Einschätzung der Person, die wir sehen, wird  (gerade auch unterbewusst) gravierend von dem Blick der Kamera auf diese Person beeinflusst.

DESPOTEN-WINKEL

 

Mein Lieblingswinkel war ja leicht von links unten. Und das “von unten” ist das Problem. Denn so zwinge ich meine Zuschauer, zu mir aufblicken zu müssen. Das lässt mich arrogant, herrisch und unnahbar wirken – also alles andere als sympathisch. Viele männliche Machos lassen sich gerne so ablichten, Putin zum Beispiel. Der will vor allem Überlegenheit und Macht ausstrahlen. Ich nenne diesen Winkel seit ich das weiß auch gerne Despotenwinkel. Eine kleine Warnung an mich selbst, denn ich will auf andere nicht wie ein Despot wirken.

 

Hier könnt ihr die Story zu meinem Fail sehen - inklusive Tipps:

 

BAMBI-WINKEL

 

Noch viel häufiger sieht man den Blick nach oben in die Kamera. Gerade viele Mädels lieben es die Kamera etwas höher zu halten. Viele gefallen sich in dieser Pose einfach besser. Allerdings ist das fast genauso tückisch wie der Despotenwinkel. Der Bambiwinkel (Kamera blickt auf mich herunter) macht die Augen größer. Er bedient das Kindchenschema. Wer so zur Kamera hinaufblickt, wirkt niedlicher - aber auch naiver, sogar etwas unterwürfig. Das kommt für mich auch nicht in Frage. Denn wenn ich etwas in die Kamera sage, dann möchte ich gerne ernst genommen werden. Gerade als Frau habe ich keine Lust, die alte Frauenrolle zu bedienen, durch eine “falsche” Position vor der Kamera. Überlegt es euch also gut, ob ihr niedlich wirken wollt – der Preis dafür kann sein, dass ihr nicht ernst genommen werdet.

 

AUF AUGENHÖHE

 

Wer auf Nummer sicher gehen will  – und das mache ich jetzt meistens –  wählt eine Kameraposition auf Augenhöhe. Die Position lässt uns alle Möglichkeiten und sie räumt uns egal wie groß wir sind, die Chance ein, nah und direkt mit unseren Zuschauern zu kommunizieren. Jetzt hängt unsere Wirkung vor allem davon ab, was wir zu sagen haben Das ist doch eine gute Basis.

 

HOL DIR EHRLICHES FEEDBACK

 

Und noch eines habe ich gelernt: Man selbst kann sich NICHT objektiv beurteilen und sehen. Deshalb ist es so wichtig andere Leute, denen man vertrauen kann und die absolut ehrlich sind, zu fragen. Andere haben einen viel klareren Blick auf uns und den sollten wir ernst nehmen. Auch wenn wir bei Kritik erstmal empfindlich reagieren (ich war ganz schön angekratzt) sollten wir sie noch ernster nehmen als Lob. Denn wir können ja jetzt, wo wir um den Fehler wissen, etwas ändern. Das ist eine große Chance. So werden wir immer ein wenig besser  – in meinem Fall sympathischer.

 

Ich gucke jetzt meisten gerade in die Kamera. Manchmal gönne ich mir noch meine Lieblingsposition - in geringer Dosis. Und alles ist besser. Danke an Heike und Co.